HALL
Kollaboratives Fotomagazin
Atelier Lanz, HBK Saarbrücken
Herausgeber Eric Lanz
1. Ausgabe, April 2021



Im Wintersemesters 2020 hat sich eine Gruppe von Studierenden entschieden, eine gemeinsame Publikation mit ihren Fotoarbeiten zu gestalten. Es ging bei der Veröffentlichung nicht darum, für jede Art der Fotografie einen spezifischen Rahmen zu schaffen, sondern vielmehr um einen gemeinsam erarbeiteten Kontext, in dem sehr diverse Zugänge zum Medium vertreten sind und sich gegenseitig befragen. Der Prozess des Aufeinanderzugehens hat sich hier auf der Ebene der Bilder selbst abgespielt: sie hallen in der Begegnung mit den anderen nach, als ob ein Bild nie alleine existiert, sondern immer schon ein Nebenbild, ein Nachbild oder ein Vorbild darstellt. Herausgekommen ist die erste Nummer eines kollaborativen Fotomagazins mit einem Design von Christian Dietz und Marius Heimburger. Zusammen mit einer von Mirco Kanthak gestalteten Webseite etabliert es eine Plattform für den Austausch über künstlerische Fotografie, auch über das Atelier Lanz oder die HBKsaar hinaus.



„Fotografie ist immer Auswahl, Ausschnitt, Herauslösung. Die Aufnahme ist eine Entnahme des Sichtbaren. Entscheidungen über den Moment, die Blickrichtung und die technischen Parameter bereiten es nur auf. Das Umfeld der Entnahme, die Umgebung des fotografierten Motivs, ob in der Welt selektiert oder im Studio präpariert, ist dabei ein entscheidender Teil des Bildes. Das Foto thematisiert immer auch den Kontext, aus dem es das Abgebildete herauslöst. Es bettet das vordergründige Objekt in einen Bildhintergrund ein, richtet letzteres nach ersterem aus, oder umgekehrt. Es ist der Modus ihrer Behauptung, mit der sich ein individueller Blick erst etabliert.

Eine Aufnahme ist aber auch unweigerlich ein Bild im Umfeld anderer Bilder. So sehr eine Fotografie ihr Objekt bei der Entnahme auch isoliert, sie selbst findet sich gleichwohl in einem Pool anderer Aufnahmen wieder: Sie tummelt sich mit ihnen auf Speichermedien, in digitalen Wolken und Nachrichten. Sie tat es freilich bereits in ihrer analogen Epoche, führte eine noch recht strukturierte Existenz auf Kontaktbögen, in Alben oder Archiven. Wie elementar dieses Bild-Dasein im Gefüge und Gedränge mit anderen Bildern tatsächlich ist, wird in einer Diskussion um die Auswahl von Fotos für eine Veröffentlichung deutlich. Die kontextuelle Dimension wird als Ebene der Begegnung erkannt und als Chance zum kollaborativen Vorgehen genutzt.

Es arbeitet sich hier ein Raum ins Bewusstsein, in dem fotografische Bilder nicht nur gesehen, sondern auch angeschaut werden wollen. Bilder schieben sich vor andere, greifen sie visuell auf, schubsen sie gedanklich an oder „schneiden“ sie sogar. Das Vordere entzündet sich am Hinteren, es erblasst dabei vielleicht oder wirft einen Schatten. Mehr als bei der bloßen Reihung auf der Bildschirmoberfläche oder auf Buchseiten geht es hier um das Erklingen eines stummen Halls. Fremde, aber benachbarte Bilder gehen in die Resonanz: Assoziationen und Erinnerungen an Vor-Bilder werden nicht nur zugelassen, sondern auch verhandelt. Es bildet sich ein risikofreudiger, aber respektvoller Umgang mit den diversen Blicken und Anschauungen. Es entsteht eine kritische Reibung, an der sich Entscheidungen und Haltungen schärfen lassen.“

Eric Lanz